Poesie

Es aushalten

Kindergeschrei,
Alarme, hetzende Schwestern,
lautstark diskutierende Eltern nachts um zehn.
Der Monitor:
PIEP! …. schon wieder.

Ich kann nicht schlafen.
Mein Herz pocht,
wartend auf den nächsten Alarmton.
PIEP!

Ich rufe die Schwester.
Sie ruft die Dialyseschwester per Telefon.
Zu niedriges Ablaufvolumen.
Anweisungen,
dann Ruhe.

Leni hampelt im Bett, wird wach.
PIEP!
Der andere Monitor.
Die Sättigung fällt.
Das Kabel ist vom Zeh gerutscht.

Ich bin müde.
Es ist 2 Uhr nachts.
Ein Baby weint im Nachbarzimmer.
Leni wird unruhig.

Ich kann nicht schlafen.
Mein Herz pocht,
wartend auf den nächsten Alarmton.
PIEP!

Ich rufe die Schwester.
Sie ruft die Dialyseschwester per Telefon.
Zu niedriges Ablaufvolumen.
Anweisungen,
dann Ruhe.

Leni hampelt im Bett, wird wach.
PIEP!
Der andere Monitor.
Die Sättigung fällt.
Das Kabel ist vom Zeh gerutscht.

Ich bin immer noch müde.
Es ist 3 Uhr nachts.

Kindergeschrei,
Alarme, hetzende Schwestern,
lautstark diskutierende Eltern früh um sechs.
Der Monitor:
PIEP! …. schon wieder.

Nicole Jacobi

 

Ein Leben in Würde

Sie sehen nicht was man fühlt.
Sie verstehen nicht, wie es uns aufwühlt.
Sie können nicht begreifen, was es mit uns macht.
Sie haben kein Verständnis, wenn man nicht mehr lacht.

Erklärungen laufen ins Leere.
Behinderung erhält so viel Schwere.
Warum müssen wir kämpfen und brauchen Mut dazu?
Warum müssen wir immer erklären ohne Tabu?

Dringlichkeit ist entbehrlich.
Zeit die vergeht, unerklärlich.
Unsere Probleme für andere, bedeutungslos.
Unmenschlichkeit und Bürokratie macht uns einfach sprachlos.
Papierkrieg der niemals endet,
sogar Zeit vor Gericht verschwendet.

Ich will keine Rechtfertigungen mehr.
Ich will Verständnis … so sehr.
Das Gewissen, der Mut, die Kraft, alles schwindet,
die Liebe zu Leni, die alles verbindet.

Kraft verlässt uns dann und wann.
Gerecht fühlt sich anders an.
Wollen wir denn wirklich zu viel?
Oder ist das würdevolle Leben ein menschliches Ziel?
Und wenn ja, heißt das auch zu kämpfen!
Auch wenn andere anders denken.

Wir versuchen für Leni alles zu sein:
ihr Sprachrohr, Pfleger, Eltern, alles in einem.
Menschlichkeit wird zur großen Hürde.
Wir kämpfen weiter für sie und ein Leben in Würde!

Nicole Jacobi

Abgelehnt!

Laufen lernen, Sitzen, Stehen.
Ein Hilfsmittel beantragen, Systeme verstehen.
Wirtschaftlichkeit gegen Behinderung,
Ablehnung wegen Kostenminderung.

Beratung, die keine ist.
Höfliche Worte, die man vermisst.
Menschen als Roboter agieren,
Menschen, die nur auf Zahlen stieren.

Sie kann sitzen, steht im Bericht.
Den Therapiestuhl gibt’s deshalb nicht.
Die Akte entscheidet, nicht der Besuch.
Widerspruch – ein neuer Versuch.

Monate… Kampf und Tränen,
Widersprüche, ich kann sie nicht zählen.
Telefonate, Worte beleidigend,
Ich immer die Behinderung verteidigend.

Kräftezehrend, beängstigend…Zeit vergeht.
Auf dem Papier immer dasselbe steht.
„Abgelehnt!“, Begründung völlig daneben.
Was sie nicht sehen, es geht um ein würdevolles Leben.

Die Mauern überwinden, andere Wege gehen.
Ich habe gelernt damit umzugehen.
Das Leben, der Sinn,
das zu begreifen, der größte Gewinn.

Nicole Jacobi

Sie

sie atmet schnell
sie atmet langsam
sie atmet gar nicht
dann atmet sie wieder

sie strahlt immer so
sie lacht so herzlich
sie hopst unentwegt

sie sitzt und kaspert
sie fällt einfach um
weint
sitzt wieder
kaspert weiter

sie läuft
nur ein Stück
sie steht
macht Pause
sie läuft wieder
noch ein Stück

sie kann nicht mehr
sie kann
sie nimmt sich Zeit
immer und immer wieder

sie ist ein Wunder
sie hat Kraft
unendlich davon

sie ist stark
so stark wie hundert Riesen zusammen
und doch ist sie zierlich und klein

sie ist einfach da
sie bereichert mein Leben
schon so lang

sie schenkt Liebe
sie schenkt Berührungen
sie schenkt ihr Lächeln

sie
ein Wunder
ein Mensch
ein Kind

mein Kind.

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